Kategorie 'Zitate'

Das Gesetz ist hier knallhart

Dienstag, 14. Februar 2012 - 07:42

Aus einem Interview in BILD am SONNTAG (2012-02-11): http://www.bild.de/geld/wirtschaft/ursula-von-der-leyen/wann-kommen-die-rekordgewinne-der-wirtschaft-22589168.bild.html

Als ich junge Ärztin war, hingen die Telefone noch fest an der Wand. Es gab kein Internet, nur Papierakten. Die Verdichtung und Geschwindigkeit der Arbeitsabläufe, das Zusammenfließen von Privat und Arbeit hat enorm zugenommen.

Das Gesetz ist hier knallhart. So wie der Bauarbeiter einen Helm tragen muss, ist im Arbeitsschutzgesetz auch verankert, dass die psychische Belastung eines jeden Arbeitsplatzes beurteilt werden und Erkrankungen wie Burnout vorgebeugt werden muss.

Das Problem: die allermeisten wissen nichts davon. Deshalb wünsche ich mir auch von den Tarifverhandlungen, dass es nicht nur ums Portemonnaie geht, sondern auch um gesündere Arbeitsbedingungen.

Ursula von der Leyen, Bundesarbeitsministerin, 2012-02-11

(Burnout kann zwar nicht als Krankheit diagnostiziert werden. Aber der Begriff hat sich als ganz hilfreich erwiesen, auf das Thema der Fehlbelastungsfolgen aufmerksam zu machen. Ursula von der Leyen ist ja nicht nur Ärztin, sondern auch Politikerin. Die darf das.)

Zermalmt von der Last

Freitag, 30. Dezember 2011 - 06:53

Interessanter Aspekt: Belastung zur Rechtfertigung absurder Einkünfte.

Jean-Martin Büttner, Berner Zeitung, 2010-01-09
Interview mit Thomas Knecht
Sie kommen, nehmen und gehen wieder
http://www.bernerzeitung.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/
Sie-kommen-nehmen-und-gehen-wieder/story/13502254


Oft fühlen sich die Täter [narzistische Manager] als Opfer und reden von ihrer Verantwortung. Damit rechtfertigen sie Jahreslöhne in mehrfacher Millionenhöhe.

Das ist ein kampfrhetorisches Manöver. Um dermassen absurde Einkünfte zu rechtfertigen, reicht der Hinweis auf die Intelligenz und Arbeitsleistung nicht mehr. Man braucht eine pseudomoralische Rechtfertigung, die zugleich die eigene Grandiosität ausdrückt, im Sinne: Wenn ich das nicht täte, würde das ganze System zusammenbrechen. Ich werde als Verantwortungsträger fast zermalmt von der Last, aber ich tue das für euch, nicht für mich. Ich opfere mich auf für die Gemeinschaft.

Ergonomie, ein Begriff schon vor mehr als 150 Jahren

Montag, 12. Dezember 2011 - 05:55

Ergonomie ist ein wissenschaftlicher Ansatz, damit wir aus diesem Leben die besten Früchte bei der geringsten Anstrengung und mit der höchsten Befriedigung für das eigene und das allgemeine Wohl ernten.

Wojciech Jastrzębowski, 1857
(Zitat gefunden in Michael Herczegs Buch Software-Ergonomie, 2009)

Tiere in der freien Wildbahn

Dienstag, 1. November 2011 - 08:23

Byung-Chul Han: Müdigkeitsgesellschaft, 2010, ISBN-13 9783882216165

… Auch die wachsende Arbeitsbelastung macht eine besondere Zeit- und Aufmerksamkeitstechnik notwendig, die sich wiederum auf die Aufmerksamkeitsstruktur auswirkt. Die Zeit- und Aufmerksamkeitstechnik Multitasking stellt keinen zivillsatorischen Fortsschritt dar. Das Multitasking ist keine Fähigkeit, zu der alleine der Mensch in der spätmodernen Arbeits- und Informationsgesellschaft fähig wäre. Es handelt sich vielmehr um einen Regress. Das Multitasking ist gerade bei den Tieren in der freien Wildbahn weit verbreitet. Es ist eine Aufmerksamkeitstechnik, die unerlässlich ist für das Überleben in der Wildnis. … Die jüngsten gesellschaftlichen Entwicklungen und der Strukturwandel der Aufmerksamkeit nähern die menschliche Gesellschaft immer mehr der freien Wildbahn an.

(S. 26-27, Hervorhebung nachträglich eingefügt.)

 
Siehe auch:

Offene Kommunikation

Samstag, 27. August 2011 - 11:40

Das Ineinander zweier heterogener Ursprünge [Notwendigkeit der Gemeinschaftsarbeit, der Kampf zwischen Mensch und Mensch] bleibt der Grundcharakter des Herrschens. Daher wird auch alle irgendwo in Grenzen gelingende wahre Gemeinschaft aus gemeinsamem Zweck doch anderswo als Theorie ein Täuschungsmittel zur Interpretation und Verschleierung der tatsächlichen Gewalt. Immer wieder werden die Dinge durch ihr Gegenteil benannt und verborgen. So wird in dem Schein der Kommunikation – der offenen Aussprache – ausgehorcht und befohlen, im Schein der Freiheit und Freiwilligkeit erzwungen, im Mantel des reinsten Ethos das Böse vollzogen, im Schein der Wahrheit gelogen und betrogen, und alle jeweils gültigen Werte werden je nach Situation in Anspruch genommen oder ignoriert.

Karl Jaspers, Von der Wahrheit, 1948 (2.Teil, 3.Kap., II, B, 3, b)

Psychisches Wohlbefinden seit 1997

Freitag, 19. August 2011 - 18:14

Gefunden in http://www.sifawiki.de/index.php?title=Gesundheitsschutz:

Das Arbeitsschutzgesetz geht von einem weiten Gesundheitsbegriff aus, der auch das psychische Wohlbefinden der Beschäftigten umfasst. (BVerwG 31.1.1997, NZA 1997, 483) der Beschäftigten.

Die Lernkurve ist hier wohl ziemlich flach.

(An vielen Stellen im Internet wird das falsche Datum 31.1.1977 angegeben. So flach ist die Lernkurve nun auch wieder nicht. Siehe auch weiterhin http://blog.psybel.de/tagung-15-jahre-arbeitsschutzgesetz/.)

Außergewöhnlicher Glaube

Sonntag, 17. Juli 2011 - 20:26

Kapitalismus ist der außergewöhnliche Glaube, dass die widerwärtigsten Männer aufgrund der widerwärtigsten Motive irgendwie für den Nutzen Aller arbeiten.

John Maynard Keynes (1883 – 1946)

Solange die Vorraussetzungen für diesen Glauben stimmen, gilt auch hier zunehmend die Gleichberechtigung.

Fachkräftemangel

Samstag, 25. Juni 2011 - 14:23

http://www.betriebsrat.de/portal/themen/sz/aengstliche-suche-nach-fachkraeften.html

Wer rasch viele Akademiker treffen möchte, sollte zum Taxistand am örtlichen Bahnhof gehen.

Ingrid Sehrbrock, stellvertretenden DGB-Vorsitzende

Wenn Arbeit krank macht

Mittwoch, 11. Mai 2011 - 07:13

Wenn Arbeit krank macht
Süddeutsche Zeitung, 2010-08-13, Seite 4

Gut beobachtet: Arbeitgeber vernachlässigen einerseits den Gesundheitsschutz im Bereich der psychischen Belastungen, versuchen aber andererseits, sich von den steigenden Krankenversicherungskosten abzukoppeln:

… Die Vorbehalte [der Firmen] gegenüber guter Prävention zeigen auch wieder, dass die Pläne von Gesundheitsminister Philipp Rösler falsch sind, den Arbeitgeberanteil am Krankenkassenbeitrag einzufrieren. Damit würden künftig die Arbeitnehmer alleine dafür zahlen, dass Firmen durch schlechte Vorsorge die Gesundheit ihrer Belegschaft gefährden.

TAZ, 2011-05-11:

… Nun wird der Mann, der abseits von Polittalkshows und Parlamentsdebatten wenig bekannt ist, auch offiziell einer der mächtigsten Politiker des Landes: Er soll Rösler im Amt des Bundesgesundheitsministers folgen.

[Daniel] Bahr gilt ohnehin als Mann hinter den Reformen des Ministers. Als Experte für die zähen Debatten mit Pharmafirmen und Krankenkassen, als Mann für die entscheidenden Details.

Siehe auch: Vorzeitiger unfreiwilliger Ruhestand, 2011-10-17

Hyperhumane Omnipotenz

Sonntag, 24. April 2011 - 13:03

http://www.psychologie-heute.de/das-heft/archiv/detailansicht/news/laenger_wach_die_dynamik_des_neurokapitalismus-3/:

… Trotz weiter Verbreitung der heute als neuropsychatrisch verstandenen Störungen wächst die Illusion einer hyperhumanen Omnipotenz des mentalen Vermögens. War es in der libertären Phase des Kapitalismus noch wichtig, die äußere Erscheinung und den Status zu optimieren, so breitet sich nun der innere Zwang aus, auch kognitive und emotionale Ressourcen zu verbessern. Die heute schon bestehende Möglichkeit der unkontrollierten Beschaffung von Neuroenhancern, die Kommunikation von Anwendungserfahrungen im Internet und eine individual-utilitaristische Ethik bereiten den Boden für den Markterfolg von Substanzen, an denen heute bereits ganze Armeen von Neurowissenschaftlern in den Laboratorien arbeiten.

Länger wach: Die Dynamik des Neurokapitalismus
PSYCHOLOGIE HEUTE, 04/2010, Hennric Jokeit, Ewa Hess