Kategorie 'Sonstiges'

Tödliches Abwiegeln

Freitag, 20. Januar 2012 - 02:30

http://www.tagesschau.de/ausland/costaconcordia234.html

“Concordia”-Crew wiegelte in Telefonat mit Küstenwache ab

Lügen, die vermutlich Menschenleben kosteten

Nach der “Concordia”-Havarie ist ein weiteres Telefonat veröffentlicht worden – und das macht viele sprachlos. Denn obwohl der Maschinenraum bereits geflutet war, wiegelte die Crew ab: Es gebe einen Stromausfall. …

Bei komplexeren Vorgängen brechen die Lügengebäude nicht so schnell zusammen, wie bei der “Concordia”-Havarie. Was für ein Glück für die Täter. Wirtschaftskapitäne und ihre Crews haben dank der Komplexität der Wirkzusammenhänge offensichtlich einen Vorteil, die Opfer und ihre Familien einen Nachteil.

Es gibt aber eine Gemeinsamkeit zwischen der Havarie und dem jahrelangen Verschleiß von Mitarbeitern: Die Kapitäne sichern sich zuerst ein Rettungsboot.

Kranke Medizin

Dienstag, 17. Januar 2012 - 07:27

Im folgenden geht es etwas am Thema dieses Blogs vorbei. Aber vielleicht ist der Artikel doch hilfreich für Sie: Ich warne Sie vor Antibiotika, die Sie krank machen. Das Risiko ist dann besonders hoch, wenn Sie schon alt sind.

Über einen Fall in meiner Familie habe ich das Chaos kennengelernt, dem sowohl Patienten wie auch Ärzte heute ausgesetzt sind. Ausgerechnet Ärzte, die es besser wissen müssten, sind ständig überfordert, also psychisch fehlbelastet. Das kann nicht gut gehen. Aber ich habe nicht den Eindruck, dass das besser wird. Unser Gesundheitssystem scheint ziemlich krank geworden zu sein. Sie gehen heute in ein krankes Gesundheitssystem, um krank zu werden.

Das wird jetzt kein Ärzte-Bashing, denn die Ärzte leiden ja selbst unter Arbeitsbedingungen, die ihre Fehlerrate hochtreiben. Eher angebracht wäre ein Pharmaindustrie-Bashing. Diese Branche nutzt die Überforderung der Ärzte, die kleingedruckte und schwammig formulierte Nebenwirkungswarnungen nicht mitbekommen. Im konkreten Fall wurde bei einer Therapie die Patientin nicht ausreichend gewarnt, dass ein in den USA schon mit “Black Box Warning” versehenes Antibiotikum insbesondere bei älteren Menschen mit einer nicht mehr zu vernachlässigenden Wahrscheinlichkeit zu Sehnenschädigungen führen kann. Das passierte bei der 86jährigen Patientin dann auch. Sie ist nun einem Gesundheitssystem ausgesetzt, in dem ein Mensch ohne Durchsetzungsvermögen verloren ist, wenn Freunde und Familie nicht helfen. Letztere hat sie zum Glück. Aber was passiert wirklich alleinstehenden Menschen?

Das Thema passt vielleicht nicht so gut in dieses Blog. Ich habe noch ein anderes Blog, das eigentlich nicht so ernsthaft sein sollte. Es ist eher ein bisschen verrückt. Nun sind dort doch einige nicht so lustige Artikel eingezogen: http://wahlspezial.de/stichwort/chinolone/. Aber vielleicht ersparen die Artikel auch Ihnen und Ihrer Familie Sehnenschädigungen, die die Mobilität der Betroffenen unnötig stark einschränken und Schmerzen bereiten.

Suchmaschinenfutter: Chinolone, Quinolone, Gyrasehemmer, Antibiotikum, Antobiotika, Levaquin, Levofloxacin, Levofloaxin, Tavanic, Achillessehne, Achillessehnenruptur, Tenditis, Sehnenentzündung, Sehnenruptur, Sehnen. (In Deutschland wird Forschung dazu vermieden. Die, die forschen wolleņ bekommen keine Mittel dazu. Angesichts der Ausrichtung unseres Gesundheitsministerium wundert mich das nicht so sehr.)

Umleitung

Samstag, 2. Juli 2011 - 12:28

Bitte hier lang: http://blog.psybel.de/ista-ein-fragebogen-zur-verhaeltnispraevention/

(Grund für die Umleitung: Tippfehler in einer URL)

E-Mail-Verschlüsselung

Samstag, 21. Mai 2011 - 22:15

Mich erreichen Sie unter gwk bei psybel.de, oder Facebook.

Anonyme E-Mails akzepiere ich von psybel-xxxxxxxx unter trash-mail.com, wobei xxxxxxxx irgendein von Ihnen ausgedachter String ist. Ganz Paranoide können auch Live Systeme verwenden, z.B. http://distrowatch.com/table.php?distribution=incognito.

Wenn Sie verschlüsselt schreiben wollen, dann können Sie E-Mails an mich mit einem meiner öffentlichen Schlüssel verschlüsseln. (Wenn Sie mir anonym und verschlüsselt schreiben wollen - was wohl eher selten notwendig sein wird, legen Sie dazu bei Bedarf ein Schlüsselpaar mit irgendeinem anonymen Phantasie-UID an.)

http://www.rahuber.ch/e-mail-verschluesseln.html ist ein guter Artikel zum Thema “E-Mail-Verschlüsselung”.

Vielfache Arbeitsbelastung

Freitag, 13. Mai 2011 - 02:03

Die Universität Bayreuth veröffentlicht gestern das Ergebnis ihrer Untersuchungen zu Karl-Theodor zu Guttenbergs Doktorarbeit. Worum es da geht, kann jeder in Internet herausfinden.

Guttenberg erklärte seine Fehler mit Erwartungsdruck, mit seiner vielfachen Arbeitsbelastung usw. Sollten wir uns über die Belastung, die er jetzt erst recht hat, wirklich freuen? Ist das immer noch ein so lustiges Thema? Etwas anstrengender, als Schadenfreude zu genießen, wäre, zu überlegen, wieviele andere Führungskräfte täglich ihre Umwelt immer wieder neu beeindrucken müssen und für sich selbst irgendwo schon wissen, dass sie eigentlich nur eine Show abliefern, die ihnen immer wieder Sorge bereitet, irgendwann einmal durchschaut zu werden. Es geht hier nicht um Rechtfertigung, sondern um die Frage, wie auf Führungskräfte wirkenden Zwänge Entscheidungen beeinflussen, die für viele Menschen wichtig sind.

Es fällt leicht, Häme über Guttenberg auszuschütten. Aber das ist langweilig. Guttenberg war bei seinem Aufstieg und Fall nicht alleine, sondern hatte ein Millionen-Publikum. Ich befürchte, das Guttenberg aus dieser Geschichte inzwischen viel mehr dazugelernt hat, als die große Herde, die er vorwiegend mit seinem Auftreten begeisterte.

Tim Jackson’s economic reality check

Sonntag, 8. Mai 2011 - 11:14

http://www.youtube.com/watch?v=NZsp_EdO2Xk
Tim Jackson’s economic reality check, 2010-10-05

Hier geht es um die dritte Ebene im Dreiebenenmodell: Natürlich ist eine versagende Glaubenslehre (Wachstumsdogmatik in den Wirtschaft) eine psychische Belastung.

 
Lesetipp:
Tim Jackson: Wohlstand ohne Wachstum, 2011, ISBN 978-3-86581-245-2

Jahrhundert der Bescheidenheit

Donnerstag, 7. April 2011 - 23:28

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-66208553.html (2009-07-27):

SPIEGEL-GESPRÄCH
Jahrhundert der Bescheidenheit

Von Mahler, Armin und Sauga, Michael

Der frühere sächsische CDU-Ministerpräsident Kurt Biedenkopf, 79, über die schwierige Rettung der Banken, die Grenzen des Wachstums und die Möglichkeit einer schwarz-grünen Koalition nach der nächsten Bundestagswahl im Herbst

 

http://www.gasteig.de/veranstaltungen-und-tickets/veranstaltungen/vortrag-mit-kurt-biedenkopf.html,v9540 (Vortrag in München, Gasteig):

Kurt Biedenkopf:
»Brauchen wir ein Jahrhundert der Bescheidenheit?«
Vortrag
Do, 2.6.2011 / 20:00 Uhr / Black Box
€ 10,–; erm. € 5,–

Politikberatung

Dienstag, 8. März 2011 - 20:40

Im Artikel “Arbeitsschutz ist ein vorgeschriebenes Element der betrieblichen Gesundheitsförderung” machte ich ziemlich deutlich, dass sich das Bundesgesundheitsministerium bei der Erstellung einer Broschüre vermutlich durch Arbeitgeber beraten ließ. Deswegen vermuten Sie als ehrenwerter Leser meines Blogs vielleicht, dass ich als verbohrter Gewerkschafter wieder einmal das Klischee vom unredlichen Arbeitgeber bemühe. Das ist aber nicht so. Nicht die Arbeitgeber sind unredlich, sondern sie sind einfach schlauer, als die von ihnen beim Schreiben von Gesetzvorlagen Beratenen. Meine Kritik richtet sich nicht gegen Lobbyisten, sondern gegen die Dummheit derer, die sich von Lobbyisten beeindrucken lassen. Wie andere Menschen auch, machen Lobbyisten, was man sie machen lässt.

Dazu eine kleine Geschichte. In den frühen 80gern verkaufte ein Freund von mir einen der ersten Laptop-Computer (TRS 80 Model 100) an eine Bank, die damit Kreditberatung direkt im Kundenwohnzimmer machen wollte. Ich entwickelte das Programm dafür und entdeckte dabei, dass bei der Berechnung des Effektivzinssatzes verschiedene Geldflüsse mit verschiedenen Gewichtungen in die Formel zur Effektivzinsberechnung eingingen. Der Effektivzins hing also davon ab, wie sich der Geldfluss beispielsweise auf Zins, Tilgung und Gebühren verteilte. So lassen sich für gleiche Geldflüsse unterschiedliche Effektivzinssätze gestalten. Da ich damals noch naïv an die Überzeugungskraft der Vernunft glaubte, bat ich ein Bundesministerium (ich weiß nicht mehr genau, ob für Wirtschaft oder für Finanzen), mir zu erklären, wieso eine derart manipulierbare Berechnungsmethode sich in ein Gesetz verirren konnte, zumal die Bank intern ein anderes Verfahren einsetzte, dem sie mehr vertraute. Die mich damals noch überraschende und gleichfalls naïve Antwort des Ministeriums: Die Berechnungsformel könne nicht falsch sein, da bei ihrer Entwicklung die Banken mitgewirkt hatten.

In wackerer Fortsetzung meiner Naïvität bot ich der Bank an, auch das von ihr intern benutzte Berechnungsverfahren als Option in das Programm einzubauen, damit man Kunden ehrlich beraten könne. Die Bank zeigte dafür jedoch eher wenig Interesse, weil diese Option nicht den gesetzlichen Vorschriften entspräche, nach denen man sich (leider!) zu richten habe.

Der arbeitende Kunde

Freitag, 4. März 2011 - 15:38

http://www.arbeitenundleben.de/ako-start.htm:

Wenn Konsumenten zu unbezahlten Mitarbeitern werden 

Als ein zentrales weiterführendes Ergebnis des DFG-Forschungsprojekts “Dienstleistung als Interaktion” entstand in der Kooperation von Kerstin Rieder (jetzt Olten/Schweiz) und G. Günter Voß eine 2005 (2. Auflg. 2006) als Buch vorgelegte These zum Wandel des Konsums und der Konsumenten resp. der (aus betrieblicher Sicht) “Kunden”.

Rieder und Voß wagen mit ihrem Konzept in systematischer Parallele zur These des Arbeitskraftunternehmers die provokante Vermutung, dass Konsumenten zunehmend zu informellen Arbeitskräften von Betrieben werden. Sie werden zu „Arbeitenden Kunden“, die den bisherigen schlicht ‚kaufenden’ Konsumenten verdrängen und durch die den Betrieben ein historisch neuartiges Feld der Nutzung gesellschaftlicher Arbeit und Arbeitskraft erschlossen wird. Auch dies ist Teil des Prozesses der zunehmenden „Entgrenzung“ und „Subjektivierung“ von Arbeit. …

VIPs sind dadurch gekennzeichnet, dass sie Sonderbetreuungen bekommen. Der Rest muss heute auch nach Feierabend weiterarbeiten. Lösung des Problems: Werden Sie VIP!

Achtsamkeit

Montag, 22. November 2010 - 15:42

Vorwarnung: Der Dalai Lama hält die Abschlussrede. Sie können den Dauerkartenkauf also schon mal vergessen.

Internationaler Kongress Achtsamkeit, Hamburg, August 2011

Achtsamkeit ist eine der bekanntesten buddhistischen Methoden heute. Buddhisten aller Traditionen sehen in der Achtsamkeitspraxis die Möglichkeit, tiefere Einsichten in die Wirklichkeit und dadurch mehr innere Freiheit zu erlangen.

In den vergangenen Jahrzehnten ist die Achtsamkeitspraxis aus dem buddhistischen Kontext herausgelöst und allgemein zugänglich gemacht worden, etwa als Anti-Stress-Methode von Jon Kabat-Zinn. Hier geht es vor allem darum, Dinge bewusst im gegenwärtigen Moment zu tun.

Die Aufmerksamkeit des Geistes zu stärken ist angesichts der Herausforderungen durch Arbeitsverdichtung, Stress und immer neue Kommunikationsmöglichkeiten eine wichtige Aufgabe. Vor allem Kinder und Jugendliche, die zunehmend unter psychischen Belastungen leiden, können sich Elemente der Achtsamkeitspraxis zunutze machen.

Der Kongress zeigt das ganze Spektrum der Achtsamkeitspraxis heute auf. Dabei geht es um den Ursprung und die Bedeutung im buddhistischen Kontext ebenso wie um die moderne Anwendung in Pädagogik, Medizin und Psychologie. Das Ziel ist, die Forschungsergebnisse verschiedener Fachgebiete zusammenzutragen und interdisziplinär zu erörtern.

Bei solchen Sachen schwebt meine Hand schon mal über dem roten Knopf für Esoterikalarm. Aber aus familiären Gründen habe ich den Buddhismus nicht nur als Mode (“asiatische Weisheiten” für Orientierung suchende Langnasen) kennengelernt. Die Grundlagen der Achtsamkeitsmeditation sind eher knochentrocken und unesoterisch: die Mahāsatipatthāna Sutta. (Hinweis für moderne Leser der etwa im 1. Jh. v. Chr. im Pāli-Kanon verschriftlichten Sutta: Die ständigen Wiederholungen gab es in solchen Texten als Merkhilfe für die große Mehrzahl der Leute, die nicht lesen konnte und denen diese Lehrrede darum in Sprechgesängen vorgetragen wurde.)

Wer mehr wissen will: Für “Westler” ist der Einstieg in den Buddhismus über den Kopf ganz in Ordnung, z.B. mit Michael von Brücks Einführung in den Buddhismus (2007). Für die Anwendung des Buddhismus im Westen gibt es auch interessante Veröffentlichungen von und über Serge-Christophe Kolm, allerdings nur in Französisch (Serge-Christophe Kolm – économiste bouddhiste, Interview von Bruno Mattei, Le Monde Dimanche, 1983-10-23). Bekannt ist - zumindest in seiner Branche - Kolm eher als Wirtschaftswissenschaftler und Ökonometriker. Richtig anstrengend ist Nyanaponika Theras Geistestraining durch Achtsamkeit (2000, Original älter).

Ich bin trotz meines Alters dafür vielleicht zu zappelig und spirituell unterentwickelt geblieben.